21.1.06

das Wochenende und Deutschland

Mal wieder ein Wochenende in Tübingen. Eigentlich müsste ich mich um Tyrtaios oder um die Europäisierung der deutschen Umweltpolitik kümmern, aber stattdessen beschäftige ich mich mit Aufräumen, Putzen, Einkaufen und Kochen. Ich meine, währenddessen ist es ja garnichtmal schlimm. Schlimm ist es, wenn man dann Abends da sitzt und sich fragt, was man eigentlich den ganzen Tag gemacht hat.

Bevor ich zu dem Deutschland-Thema komme, nochmal zwei Fragen, an alle comment-Schreiber und Lurker:
Ist ein Selbstgespräch eine Meinungsäußerung?
Hat es irgendeine Bedeutung, ob ein Selbstgespräch eine Meinungsäußerung ist?
(Die Fragen sind unabhängig voneinander zu sehen.)

Ach ja, liebe Freiheit, wieso bin ich mir eigentlich so sicher, dass du männlich bist?
Ich bezweifele ja überhaupt nicht, dass ich Deutsche bin und dass auch ich gewisse Eigenschaften habe, weil ich in einem deutschen Kulturkreis aufgewachsen bin - deshalb bin ich vielleicht "typisch deutsch". (Aber genauso kann ich "typisch Frau", "typisch Blondine", "typisch katholisch", "typisch hannöversch" oder "typisch Klowand" sein.)
Und dass die deutschen sozialen Sicherungssystem (noch) gut sind, bezweifele ich auch überhaupt nicht. Dieses System, was einfach auf verschiedenen "Verträgen" beruht, kann auch ohne Nation funktionieren. Diese Aufgabe könnte genauso von Europa, von den Bundesländern oder den Kommunen übernommen werden bzw. werden ja teilweise von diesen übernommen. Ja, ich halte es für selbstverständlich Leistungen des Staates in Anspruch zu nehmen und zwar deshalb, weil ich genauso selbstverständlich Steuern zahlen werde, wenn ich Geld verdiene. Aber der Staat ist nicht die Nation und bloß, weil ich Deutsche bin, bin ich noch nicht Deutschland! Wenn ich mich anstrenge, dann tue ich das für mich oder für einige Werte, an die ich glaube - aber sicher nicht für Deutschland.

Mit dem schwarzen, deutschen Staatsbürger ist meine Frage überhaupt nicht beantwortet? Ist der Afrikaner deshalb leistungsfähiger als alle anderen Afrikaner, weil er deutscher Staatsbürger ist? Ich bezwecke erstmal garnichts damit, sondern ich äußere meine Meinung und da ich davon ausgehe, dass meine Leserschaft nicht allzu groß ist (ich äußere meine Meinung trotzdem), hatte ich da auch garkeine Hintergedanken. Vollständige Versöhnung kann meiner Meinung nach erst dann entstehen, wenn für die Menschen die nationalen Grenzen nur noch Verwaltungs- und Sprachprobleme sind.
Mir ist es sehr recht, wenn "die Welt" sich über die Deutschen und ihr "fehlendes" Nationalgefühl wundert. Ich kann trotzdem sagen "typisch deutsch" oder "typisch französisch", weil es nunmal gewisse Kulturunterschiede gibt, aber genauso kann ich sagen "typisch norddeutsch" oder "typisch schwäbisch". Nicht zu vergessen "typisch Frau", "typisch Mann" oder die Menschen in irgendwelche anderen Kategorien einteilen. Wenn "die Welt" Angst davor hat, dann sollen sie mal miteinander reden. Ich kenne auch viele Leute aus dem Ausland, bei denen diese Haltung auf Unverständnis trifft, weshalb sie aber nicht schlechter ist.
Dass sich niemand anders außer den Deutschen mit dem Begriff der Nation so intensiv auseinandergesetzt hat, ist bedauernswert, macht aber die Beschäftigung der Deutschen damit nicht weniger wichtig.

Sozialismus und Nationalismus sind beides eigentlich gute Ideen - nur leider müssten Menschen sie durchführen!

2 Comments:

Anonymous Libertas said...

Zur ersten und zweiten Frage: möglicherweise, manchmal.
Zur dritten Frage: da bin ich mir nicht so sicher für eine Antwort.

Unbestritten könnten die sozialen Sicherungssysteme und weiteres auch anders organisiert werden. In Deutschland ist es aber gegenwärtig Realität, daß viele der das hiesige Leben mitbestimmenden Regeln maßgeblich von der Bundesebene gestaltet werden. Natürlich ist niemand Deutschland und doch in dem Sinne, daß man hier lebt (ob als Deutsche/r oder Ausländer/in) und Teil dieser Gesellschaft ist. Staat und Nation sind nicht so einfach zu trennen, da sich hier die Nation im Staat organisiert. Und wenn ich einer bestimmten Arbeit nachgehe, dann mache ich dies, weil ich damit meinen Lebensunterhalt bestreite und mir die Arbeit auch Spaß macht. Aber zu den „Verträgen“ gehört auch, z. B. Steuern zu zahlen in diesem Staat Deutschland. Und damit – und die Steuerzahlung ist da nur ein Apekt unter vielen – bin ich auch Teil von Deutschland. Oder – verkürzt – bin ich Deutschland, da ich hier am Leben teilnehme und dazu beitrage.

Zur vierten und fünften Frage: Es hat niemand behauptet, daß die Leistungsfähigkeit eines Menschen von seinem Paß abhängt. Eine solche Aussage finde ich weder bei der Kampagne, noch würde ich so etwas behaupten. Ich kann deshalb den Kontext nicht erkennen, den Du mit der Frage zur Kampagne herstellst.

Ich finde jedenfalls grundsätzlich nichts dabei, die Daumen zu drücken und mich zu freuen, wenn ein deutscher Sportler eine Medaille gewinnt oder eine deutsche Mannschaft ein Spiel, oder ein deutscher Wissenschaftler einen Preis gewinnt. Mit Nationalismus hat das nichts zu tun, denn ich würdige die anderen ja nicht herab auf Grund ihrer Nationalität. Ich finde es ist normal, sich einer „Gemeinschaft“ zugehörig zu fühlen und dies auch ausdrücken zu können.

Ich meine, weder Sozialismus noch Nationalismus sind gute Ideen. Besonders das letzte Jahrhundert mit seinen Exzessen ist da für mich empirisch vollkommen ausreichend. Und auch bin ich mir sicher, nicht „typisch Klowand“ sein zu wollen.

10:00 nachm.  
Anonymous persi said...

"Ist ein Selbstgespräch eine Meinungsäußerung?"
:-D.
Ich hab in den letzten Tagen mehrere sehr gute Pro- und Contra-Argumentationen gehört. Aber trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung. Meinung und Begründung kommen in meinem Blog, du bist mir nämlich zuvorgekommen und ich hab's noch nicht geschafft, dazu was zu schreiben.

12:11 nachm.  

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